Liturgische Ecke
Immer dieses Aufstehen im Gottesdienst…
Konfirmandinnen und Konfirmanden stöhnen manchmal: „Immer dieses Aufstehen im Gottesdienst. Im Sitzen wäre alles viel bequemer.“ Ob es wirklich viel bequemer wäre, hängt wohl auch von den Bänken und Sitzen ab. Aber im Ernst: warum sitzen oder stehen wir im Gottesdienst? Warum gehen wir oder knien? Weil wir keine „Geistwesen“ sind, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Wir haben nicht nur einen Leib, wir sind Leib. Wenn wir Gottesdienst feiern, will auch unser Leib beten und hören und singen und Segen empfangen.
Die Praxis ist in den Gemeinden sehr verschieden. Wie „machen“ wir es in der Regel?
Nach dem Eintritt in den Kirchenraum, suchen wir uns einen Platz, grüßen die Banknachbarn und bleiben einen Augenblick stehen. Vielleicht schauen wir auf den geschmückten Altar, auf die brennenden Lichter, auf das Kreuz. Alles ist vorbereitet: Ich werde erwartet. Gott wartet auf mich. In einem stillen Gebet komme ich an in Gottes Gegenwart.
Das Eingangslied wird im Sitzen gesungen. Es ist hilfreich, wenn wir aufrecht sitzen, damit der Atem besser fließen kann. Zur Eingangsliturgie stehen wir: Pfarrer und Gemeinde grüßen einander. Wir beten, sprechen auch von dem, was uns schwer auf der Seele liegt. Wir empfangen den Zuspruch der Vergebung und stimmen ein in das Lob Gottes. Wir hören auf Gottes Wort und antworten mit dem Bekenntnis unsres Glaubens. Dass wir stehen soll ein Zeichen sein für unsere Wachheit und Präsenz. Die Predigt hören wir im Sitzen. Das Sitzen war früher das Vorrecht der Herrschenden. Wir sind Kinder Gottes, das ist unsere Würde. In der Predigt spricht Gott durch menschliche Worte hindurch uns diese Würde zu. Zum Fürbittgebet, beim Vaterunser und zum Segen stehen wir. Die Hände sind gefaltet oder sie öffnen sich zur Schale, als wollten sie das Erbetene empfangen. Leiblich darf sich ausdrücken, was uns innerlich bewegt und berührt. Beim Abendmahl treten wir heraus aus den Bänken und gehen zum Altar: wir be-gehen ein wunderbares Fest: Gott bittet zu Tisch und lässt uns seine Liebe schmecken. Zuvor reichen wir einander die Hände zum Gruß, gehen aufeinander zu im Frieden Jesu, der aus uns Schwestern und Brüder macht. An besonderen Tagen empfangen wir Gottes Segen auch kniend. Wir sind ganz Empfangende. Was Gott gibt, können wir uns nicht nehmen.
Die Haltungen und Gesten drücken aus, wer wir sind: Hörende, Empfangende, zur Gemeinschaft Berufene.
Ob unser „Verhalten“ dem entspricht, was im Gottesdienst geschieht? Es ist gut, hin und wieder darauf zu achten. Wenn da etwas nicht „stimmig“ ist, haben wir die Freiheit, es zu ändern.
Die Welt ins Gebet nehmen
In jedem Gottesdienst nehmen wir „die Welt ins Gebet“. Auf die Predigt, in der das Wort Gottes ausgelegt wird, folgt das „Allgemeine Kirchengebet“, das heute weithin als Fürbittengebet bezeichnet wird. Im Evangelium hören wir, wie Gott in Liebe Menschen sucht und zu einem Leben im Frieden mit ihm und unter untereinander ruft. In den Fürbitten beten wir darum, dass Gottes Friede unter uns Raum gewinnt und sein Geist unser Verhalten prägt. Neben die Fürbitte für die Kirche ( ihre Einheit, ihre Verkündigung, ihre Amtsträger und Glieder) tritt das Gebet für die Menschen, die in der Öffentlichkeit Verantwortung tragen ( in Politik, Wirtschaft, Verbänden, Wissenschaft, Kultur etc. ). Dann kommen die Notleidenden in den Blick ( Bedrängte, Kranke, Hungernde, vom Krieg Bedrohte, Sterbende, Traurige). In den Fürbitten tritt die christliche Gemeinde für die Welt ein und bittet Gott um sein Erbarmen und seine Weisung.
Früher sprach der Pfarrer die Fürbitten allein. Heute ergreifen öfters auch Älteste und im Gottesdienst Mitwirkende das Wort. Nicht selten nimmt die Gemeinde die Anliegen auf und stimmt in einen Bittruf ein. So wird deutlich: die Fürbitten sind nicht das Gebet eines einzelnen, sondern „das Gebet der Gläubigen“, wie die Fürbitten in frühester Zeit auch genannt wurden. Gut ist es, wenn während der Fürbitten auch Zeit gelassen wird, damit jeder und jede in der Stille auch ganz persönlich Anliegen vor Gott bringen kann.
In der Regel bereitet der Pfarrer oder die Pfarrerin das Fürbittengebet vor. Die Ereignisse der Woche und das Nachdenken über das Wort der Bibel schärfen den Blick für die Menschen, die ins Gebet genommen werden. Schön wäre es, wenn auch Fürbittanliegen der Gemeinde stärker im Fürbittgebet berücksichtig werden könnten.
Seit kurzem steht in unserer Kirche ein Fürbitt-Kasten. Dort können Sie Ihr Fürbitt-Anliegen ( auch dienstags und donnerstags während der Öffnungszeiten der Kirche ) einwerfen. Im Freitagsgebet und im Fürbittengebet sonntags wollen wir Ihre Fürbitten aufnehmen.
Sitzen oder Gehen?
Sitzen oder Gehen- diese Frage stellt sich am Ende des Gottesdienstes. Der Segen wurde zugesprochen. Die Gemeinde hat ihn mit einem dreifach gesungenen Amen sich angeeignet. Dann setzt die Orgel ein und es kommt Bewegung unter die Gottesdienstbesucher- und besucherinnen. Viele streben dem Ausgang zu, andere bleiben noch ein wenig in kleinen Gruppen beieinander und tauschen sich aus. So ist es in Bammental Sitte. Aber hin und wieder werden die Gottesdienstbesucher gebeten, nach dem Segen noch einmal Platz zu nehmen, zum Beispiel wenn der Flötenkreis musiziert oder eine besondere Musikgruppe den Gottesdienst mitgestaltet hat und sich nun mit einem Schlussstück verabschiedet. In manchen Gemeinden bestehen die Kirchenmusiker darauf, dass die Gemeinde bei der Ausgangsmusik immer Platz nimmt, weil nur so die Musik wertgeschätzt würde. Es gibt für beide „Haltungen“ gute Gründe. Wer nach dem Segen sich noch einmal hinsetzt, kann bei der Ausgangsmusik das im Gottesdienst Gehörte und Erlebte sich dankbar bewusst machen. So klingt der Gottesdienst „in der Stille“ nach. Diese Praxis steht freilich ein wenig in Spannung zu der Aufforderung, die der Pfarrer den Menschen vor dem Segen zuspricht: „Geht hin im Frieden des Herrn!“. Wer aufgefordert wird zu gehen, will sich dann mit dem Segen Gottes auf den Weg machen und sich nicht noch einmal hinsetzen. Die Musik, die dann beim Ausgang erklingt, ist Prozessionsmusik: sie begleitet festlich hinaus in den Alltag und spielt uns zu und ins Herz, was uns draußen im Alltag des Glaubens bewegen soll. So gibt es gute Gründe, sowohl für das Sitzen als auch für das Gehen. Vielleicht haben wir in Bammental eine gute Sitte gefunden: in der Regel gehen wir unter dem Klang der Orgel oder der Posaunen und lassen uns erfüllen mit Tönen der Freude für den bisweilen grauen Alltag. Diese Regel gibt Verlässlichkeit. Alle wissen, wie es geht! Aber hin und wieder- wenn die Umstände es nahe legen- können wir in aller Freiheit auch abweichen von dieser Regel und lassen im Sitzen nachklingen, was uns bewegt.
Ist die evangelische Kirche katholisch?
Wenn wir ökumenische Gottesdienste feiern und gemeinsam das Glaubensbekenntnis sprechen, kommen wir an einer Stelle leicht aus dem „Takt“. Römisch-katholische Christen bekennen die „heilige katholische Kirche“, während evangelische Christen statt katholisch „christlich“ sagen. Wieso gehen wir beim Glaubensbekenntnis gerade an dieser Stelle „auseinander“?
Kommen hier unterschiedliche Vorstellungen von Kirche zum Tragen? Ein Blick auf die Herkunft des Wortes ‚katholisch’ könnte weiterhelfen.
Das Wort stammt aus der griechischen Sprache und bedeutet „über die ganze Erde erstreckend“, ist also gleichbedeutend mit dem Wort Ökumene. Das Glaubensbekenntnis, das zunächst in griechischer Sprache verfasst wurde, bekennt also die eine katholische Kirche. So wird daran erinnert, dass die Kirche nicht in einer Vielzahl getrennter und nebeneinander stehender Kirchen, sondern in der wesenhaften Einheit des Geistes ( Epheser 4,1-6) als der eine „Leib Christi“ alle an Christus glaubenden Menschen in aller Welt umfasst. Mit der ganzen Christenheit bekennen wir uns auch als Evangelische Christen und Christinnen zu dieser einen allgemeinen christlichen Kirche. Bei allem Gegensatz gegen die Fehlentwicklungen der mittelalterlichen Kirche legten die Reformatoren entschiedenen Wert darauf, zu dieser „katholischen“ Kirche zu gehören. Erst sehr viel spätere Zeiten haben im Widerspruch dazu das Wort „katholisch“ der römischen Kirche überlassen und damit einen Sprachgebrauch gefördert, in dem der wahre Sinn dieses Wortes vergessen ist.
Katholisch meint also nicht „römisch-katholisch“ im Sinne einer Konfession, sondern schlicht und einfach „allgemein christlich“. Wenn wir also bei ökumenischen Gottesdiensten beim Glaubensbekenntnis leicht aus dem Takt geraten, dann erinnern wir uns gegenseitig: die evangelische Kirche ist nur evangelisch, wenn sie zur einen katholischen Kirche gehört und die römisch-katholische Kirche denkt gut evangelisch, wenn sie sich als Teil der einen weltweiten christlichen Kirche versteht.
Was ist eine Intinctio?
Vielleicht denken Sie an Tinktur oder gar an Instinkt. Ihr Instinkt täuscht nicht, wenn Sie vermuten, dass es sich hier um einen typisch kirchlichen Sprachgebrauch handelt. Das lateinische Verb, das dem Substantiv Intinctio zugrunde liegt, bedeutet eintauchen. Intinctio bezeichnet das Eintauchen des Brotes in den Wein beim Abendmahl. Diese Praxis ist in den orthodoxen Kirchen die Regel. Bei uns in Baden ist diese Form der Austeilung und des Empfangs des Abendmahls nicht üblich, aber ausdrücklich erlaubt in der „Lebensordnung Abendmahl“, die unsere Synode im April 2008 beschlossen hat. Vor einigen Monaten, als die Schweinegrippe grassierte, haben Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Auch bei Erkältung empfiehlt es sich, den Kelch nicht zum Mund zu führen, sondern das Brot in den Wein einzutauchen. Möglich ist auch, auf den Kelch zu verzichten. Die Lebensordnung sieht auch darin eine „zulässige Form der Teilhabe am Abendmahl“. Im gesegneten Brot empfangen wir nichts Halbes, sondern den ganzen Christus. Um den Gemeinschaftscharakter zu betonen, sieht die Lebensordnung den Gemeinschaftskelch als Regelform vor. Nur in Ausnahmefällen ( z.B. beim Krankenabendmahl oder in Senioren-und Pflegeheimen) sollten Einzelkelche benutzt werden. Den Reformatoren war der Gemeinschaftskelch ganz wichtig, weil sie darin eine „stiftungsgemäße“ Praxis erkannten und die Gemeinschaft mit Christus und untereinander deutlich zum Ausdruck gebracht sahen. Menschen, die hygienische Gründe vorbringen, sollten bedenken, wie viel wir im Alltag „unbedenklich“ in die Hand nehmen und zum Mund führen. Bei der Austeilung beim Abendmahl wird der Kelch gedreht und häufig mit einem in Alkohol getränkten Tüchlein gereinigt. In der Regel verwenden wir Wein beim Abendmahl. Die Lebensordnung erlaubt auch die Möglichkeit, dass Wein und Traubensaft an verschiedene Gruppen ( etwa Kinder) ausgeteilt werden. Ganz im Sinne des Erfinders wird es sein, wenn es beim Abendmahl zur Tinktur kommt und wir „eingefärbt“ werden von der Liebe Jesu, dessen Gäste wir sind und dessen „Hingabe“ wir schmecken- mit oder ohne Intinctio.
Advent als Fastenzeit
Sie wissen, was am 11.11. um 11.11 Uhr los ist? Sie wissen es und haben sich sicher schon gewundert, warum ausgerechnet im November, in der „ernsten“ Jahreszeit, die Narren ( in der Zeitung) auftauchen. Wahrscheinlich ist dieser Brauch eine ferne Erinnerung daran, dass die Adventszeit einmal früher begann und die Menschen dann vor Beginn der adventlichen Fastenzeit sich noch einmal „ausgelebt“ haben.
Das erste sichere Zeugnis für die Begehung einer Adventszeit stammt von Bischof Perpetuus von Tours ( gest. 490). Er forderte für die Zeit vom 11. November bis Weihnachten ein dreimaliges Fasten in der Woche. Dahinter verbirgt sich vermutlich ein älterer Brauch: Die gesamte Zeit zwischen dem 11. November und dem Erscheinungsfest am 6. Januar, also insgesamt acht Wochen, wurde als Fastenzeit begangen. Folgt man der östlichen Sitte, nach der an Samstagen und Sonntagen auch während der Fastenzeit nicht gefastet wurde, kommt man auf genau 40 Fastentage in der genannten Zeitspanne. Der Brauch stand wahrscheinlich in Zusammenhang mit der Taufvorbereitung: Vor allem im Osten wurde Epiphanie ( 6. Januar) neben der Osternacht zum zweiten großen Tauftermin des Jahres. Der ursprüngliche Beginn der Adventszeit am 11.November erklärt auch, dass das – von uns heute so genannte- Ende des Kirchenjahres und die dann folgende Adventszeit ihrem Ursprung, ihrem Gehalt und ihrer Gestaltung nach zusammenhängen. Das Motiv der „Ankunft“ und der „Wiederkunft“ des Erlösers prägt die Gottesdienste in dieser Zeit.
Sucht sich der Pfarrer selbst den Predigttext?
Woher weiß eigentlich der Pfarrer, worüber er zu predigen hat? In der Regel hält er sich an den vorgegeben biblischen Text. Zu jedem Sonntag gehören 6 biblische Texte, die im Laufe von 6 Jahren gepredigt werden. So erschließt sich der Gemeinde im Laufe der Jahre das weite Panorama biblischer Botschaft. Mit dem 1. Advent beginnt nicht nur ein neues Kirchenjahr, sondern immer auch eine neue „Predigtreihe“. Ab dem 1. Advent in diesem Jahr wird nun ein Jahr lang jeweils über das Evangelium des Sonntags gepredigt. Die Evangelien bilden die erste gottesdienstliche Lesungsreihe und geben dem Sonntag ihr Gepräge. Unter der Nummer 891 finden Sie in Ihrem Gesangbuch die gottesdienstlichen Lesungen jedes Sonntags im Kirchenjahr. So können Sie selbst „nachprüfen“ ob sich Ihr Pfarrer an die „Regel“ hält. Das Evangelium, das am 1. Advent gelesen wird, steht bei Matthäus Kapitel 21, die Verse 1-9 und erzählt die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem. Die Predigtreihe II enthält die Episteln. Wir nennen sie so, weil diese Abschnitte alle aus den Briefen des Neuen Testaments stammen. Dem liturgischen Kalender entnehmen Sie auch den jeweiligen Wochenspruch, der oft den Grundgedanken des sonntäglichen Evangeliums auf den Punkt bringt. Darüber hinaus werden noch der Wochenpsalm,das Wochenlied und die liturgische Farbe angegeben. Die Farbe akzentuiert die „Färbung“ der Kirchjahreszeit und stimmt mit den Behängen an Altar, Kanzel und Talar überein. Weitere Hinweise zur Gestaltung des Kirchenjahres und zur Bedeutung der Farben finden Sie unter der Nummer 890 im Gesangbuch. Noch ein Tipp für alle, die Zugang zum Internet haben: auf der Homepage der Vereinigten evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland (velkd) finden Sie zu den einzelnen Sonntagen eine kurze hilfreiche Einführung, in der das Evangelium, die Epistel und die alttestamentliche Lesung erschlossen und aufeinander bezogen werden. Außerdem gibt ein Wochengebet Anregungen für das persönliche Beten „vom Sonntag her“.
Österliche Fastenzeit
Ostern ist immer der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond.
Ostern vorgelagert ist die 40-tägige Fasten- oder Passionszeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt. In der Bibel wird die Zahl 40 in unterschiedlichen Zusammenhängen erwähnt: Jesus fastet 40 Tage und Nächte, bevor er öffentlich auftritt. 40 Tage ist Elia in der Wüste unterwegs bis zum Berg Horeb, wo eine neue Erfahrung mit Gott auf ihn wartet. 40 Jahre ist das Volk Israel unterwegs ins gelobte Land. Die Zahl 40 steht also symbolisch für eine Zeit der Bereitung und Besinnung. Ostern braucht auch innere Vorbereitung. Wir begleiten Jesus auf seinem Weg ins Leid und ans Kreuz. Wer dem Dunklen nicht ausweicht, erlebt umso intensiver den Ostermorgen und die Gute Nachricht, dass Christus stärker ist als Sünde und Tod. In den Wochen vor Ostern „fasten“ wir auch im Gottesdienst. Das Halleluja und das Gloria (Ehre sei Gott in der Höhe) verstummen und erklingen erst wieder am Ostermorgen. Die Paramente an Altar und Kanzel und die Stola des Pfarrers haben die Farbe violett, die Farbe der Umkehr und der ernsten Besinnung. In diesem Jahr verzichten wir auch auf den Blumenschmuck auf dem Altar. So werden die Osterglocken an Ostern umso strahlender vom Ostersieg Jesu leuchten. An den Freitagen in der Passionszeit läutet die Totenglocke um 15.00 Uhr und erinnert an die Sterbestunde Jesu. Ab Karfreitagabend werden auch die Glocken verstummen und erst in der Osterfrühe, nach dem Verlesen des Osterevangeliums in vollem Klang die Auferstehung Jesu be-tonen.
Ist sich bekreuzigen katholisch?
Hierzulande gilt das Sich-bekreuzigen als ein typisch katholischer Brauch. Aber auch viele evangelische Pfarrer und Pfarrerinnen schlagen beim Segen über der Gemeinde ein Kreuz, und Kinder werden nach der Taufhandlung mit dem Zeichen des Kreuzes gesegnet. Woher kommt dieser Brauch, was bedeutet er und wie wird er vollzogen?
Pfarrer Wolfgang Max, Leiter der Fachstelle für Geistliches Leben in der badischen Landeskirche, hat sich darüber Gedanken gemacht.
„Das Kreuzeszeichen wurde bereits in der alten Kirche geübt, Martin Luther erwähnt es als selbstverständlichen Brauch beim Morgen- und Abendsegen (Evangelisches Gesangbuch 808,1; 814.1).
Wie wird das Kreuzeszeichen vollzogen?
Es gibt heute vor allem zwei Weisen, das Kreuzeszeichen zu vollziehen, die westliche, also die katholische und lutherische, und die östliche Weise.
Beiden Möglichkeiten ist gemeinsam, dass das Kreuz ruhig und in nicht zu kleiner Gebärde geschlagen wird. In der Regel nimmt man dazu die rechte Hand. Entweder mit Zeige- Mittel- und Ringfinger (Westen) oder mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger (Osten) werden Stirn und Brust und beide Schultern berührt, die rechte und dann die linke Schulter, wie in der Orthodoxie oder umgekehrt, zuerst die linke und dann die rechte Schulter, wie es in der Westkirche geübt wird. Die orthodoxe Art kann interpretiert werden als Weg von außen nach innen, als Verbindung von Verstand, Gefühl und Handeln mit dem Herzen, in der westlichen Welt geht der Weg umgekehrt vom Verstand und Empfinden über das Herz ins Tun. Die jeweilige Anzahl von Fingern wird mit der Dreieinigkeit Gottes und den beiden Naturen Christi, wahrer Mensch und wahrer Gott, in Verbindung gebracht.
Zum Kreuzeszeichen gehören die laut oder still gesprochenen Worte: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Matthäus 28,19)
Ist es mir möglich, es aufrecht stehend zu vollziehen, verbinden sich oben und unten, Himmel und Erde, die Welt zu meiner Rechten und die Welt zu meiner Linken. Ich gründe und erde mich, lasse mich aufgerichtet sein zum Himmel hin und bin offen für die Welt um mich.
Mit dem Kreuzeszeichen stelle ich mich bewusst in die Gegenwart Gottes, von dem und durch den und zu dem alle Dinge sind und dem auch ich zu eigen bin. (Röm.11,36; 14,7ff).
Das Kreuzeszeichen vergegenwärtigt mir meine Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Das Kreuzeszeichen verbindet mich mit Christus dem Gekreuzigten. Auf seinem Weg ans Kreuz hat er der Welt bis in die letzte Konsequenz Gottes Liebe bezeugt.
Das Kreuzeszeichen verbindet mich mit anderen Christen, die mit mir auf dem Weg der Nachfolge des Gekreuzigten sind und waren. Es trennt nicht die Konfessionen, sondern verbindet sie.
Das Kreuzeszeichen ist ein Segenszeichen. Die Zuneigung Gottes kommt auf mich herab, will mich erfüllen und durch mich hindurch weiterfließen.
So kann das Kreuzeszeichen bewusst, wie bei Martin Luther, am Anfang und am Ende eines Tages stehen, es kann mich bezeichnen, wenn ich das Haus verlasse, wenn ich eine Arbeit beginne, wenn ich im Lauf eines Tages eine Glocke läuten höre. Es kann zum Ausdruck des Danks oder zum Stoßgebet werden, mich begleiten bei freudigem und beängstigendem Erschrecken. Am Anfang eines Gottesdienstes kann es die Vergegenwärtigung des Gegenwärtigen bedeuten (2. Mose 3,14) und am Ende die Gewissheit des mitgehenden Segens (1. Mose 12,1-3).“
Das entbäffnete Pfäffchen
Helmut Oess, Pfarrer im „dichtenden“ Ruhestand, gab vor Jahren ein Buch mit dem Titel „Das entbäffnete Pfäffchen“ heraus, in dem er seine „Limericks aus der Pfarre“ veröffentlichte. Der Limerick, der dem Büchlein den Namen gab, heißt:
„Es hatte ein Pfarrer ein Äffchen,
das stahl ihm sein einziges Bäffchen;
sprang hoch in den Chor.
Da blickte empor
ganz baff ein entbäffnetes Pfäffchen.“
Manche Bammentaler sind auch „baff“, weil ihr Pfarrer kein „Beffchen“ trägt, also auch ein „entbäffnetes Pfäffchen“ zu sein scheint.
In der Tat: das ist auffällig, gehört doch zur normalen Amtstracht des evangelischen Pfarrers der knöchellange schwarze Talar mit dem weißen Beffchen. Seit ich aber über dem schwarzen Talar eine Stola trage in der entsprechenden Farbe des Kirchenjahres, habe ich auf das Beffchen verzichtet. Ästhetische Gesichtspunkte haben mich zu dieser Praxis geführt. Stola und Beffchen passen irgendwie schlecht zusammen und sehen nicht „gut aus“. Der Verzicht auf das Beffchen fiel mir nicht schwer, hat es doch in liturgischer Hinsicht keine Bedeutung. Das Beffchen (auch Bäffchen, von lateinisch biffa „die Halsbinde“) war ein im 17. Jahrhundert am Halsausschnitt getragenes 10–15 cm langes rechteckiges weißes Leinenstück und sollte den „Rock“ vor dem Bart des Mannes schützen.
Ab 1680 gehörte eine Halsbinde mit zwei auf die Brust herunterhängenden, nur wenige Zentimeter breiten Leinenstreifen zur bürgerlichen Tracht der Männer. Erst im 19. Jahrhundert wurde durch die Anordnung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. das Beffchen mit schwarzem Talar zum liturgischen Kleidungsstück im evangelischen und im jüdischen Gottesdienst. Das Beffchen ist also kleidungsgeschichtlich ein Überbleibsel aus vergangenen Mode-Zeiten. Es transportiert keine „tiefere“ Botschaft. Die Stolen dagegen nehmen die wechselnden Farben der Behänge an Kanzel und Altar auf und „unterstreichen“ farblich den jeweiligen Charakter der Kirchjahreszeit. Freilich: der biblische Text ist im Gottesdienst wichtiger als alle Textilien! Aber wenn die Textilien auf ihre Weise den Text und seine Botschaft „verkündigen“, ist aus evangelischer Sicht nichts dagegen einzuwenden. Sie sind nicht „heilsnotwendig“, aber sie dürfen mithelfen, die Freude am Heil auch sinnlich zu wecken.
Vielleicht verstehen die Bammentaler jetzt besser ihr „entbäffnetes Pfäffchen“!
Ja und Amen
Menschen, die zu allem „Ja und Amen“ sagen, haben wohl kein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Ihnen fehlt der eigene Standpunkt, von dem aus sie andere Meinungen und Vorgänge kritisch beurteilen können. Sind Christinnen und Christen unkritische Ja-Sager? Im Gottesdienst sagen wir mehrmals „Ja und Amen“. Gleich zu Beginn bestätigen wir singend mit unserem Amen, dass wir im Namen des dreieinigen Gottes versammelt sind. Gebete, die der Pfarrer spricht, werden in der Regel von der Gemeinde mit Amen bejaht. Hin und wieder sagen auch Gottesdienstbesucher nach der Predigt laut und deutlich „Amen“ und geben so ihre innere Zustimmung zum Inhalt der Predigt. Mit einem besonders feierlichen dreifach gesungenen Amen geht der Gottesdienst zu Ende. Werden wir durch die Liturgie „verführt“ zum unkritischen „Ja und Amen“- Sagen? Hoffentlich nicht. Es mag ja Situationen geben, in denen uns das Amen nicht über die Lippen kommt, auch im Gottesdienst nicht. Vielleicht regt sich innerlich Widerspruch zu dem, was da gesungen, gebetet und gepredigt wird. Dann müssen wir nicht zu allem „Ja und Amen“ sagen. Gut, wenn wir dann mit Menschen ( auch mit dem Pfarrer) über das sprechen können, wo sich in uns Widerspruch meldet. Manches kann sich im Gespräch klären lassen. Und doch: Amen ist ein Ur-Wort der Liturgie. Es kommt aus der hebräischen Sprache und bedeutet so viel wie: „Ja. So ist es!“ oder „Ja! So soll es sein!“ Es ist ein Ausdruck der Zustimmung, mit dem Gehörtes auch persönlich angeeignet wird. Es lockt heraus aus der Haltung des unbeteiligten Zuschauers und hilft uns Farbe zu bekennen und Standpunkt zu beziehen. Es ermutigt auch den Pfarrer, wenn er merkt, dass seine Worte nicht ins Leere gehen, sondern mit dem Herzen aufgenommen und bestätigt werden. Letztlich geht es aber darum, dass wir mit unserem Amen die Zusagen Gottes ganz persönlich und als Gemeinde annehmen und uns auch seinem Anspruch stellen.
Wir grüßen einander
Wenn Menschen einander begegnen, dann grüßen sie einander. Wir wünschen einen „Guten Morgen“ oder einen „Guten Tag“ und in diesem Grüßen äußert sich der Wunsch, die Zeit, die wir erleben und in der wir einander begegnen, möge „gut“ sein. Der schwäbische Gruß „Grüß Gott!“ meint eigentlich „Gott grüße(segne) dich!“ und erinnert daran, dass jeder Gruß ursprünglich ein Segenswunsch ist. Der Gruß hat seinen Sitz im Alltag, aber auch im Gottesdienst tauschen Liturg und Gemeinde einen Wechselgruß aus mit den Worten: „Der Herr sei mit euch – und mit deinem Geist!“ Das klingt feierlich und für viele vielleicht auch etwas altertümlich, aber es ist ein notwendiger Gruß. Pfarrer und Gemeinde grüßen einander mit dem Wunsch, dass sie die wirkende und heilsame Gegenwart Gottes erfahren und sie so im Gottesdienst, beim Singen und Beten, Reden und Hören, Sehen und Schmecken Gutes von Gott empfangen. Der Wechselgruß ist also keine überflüssige Floskel, sondern spricht auf das Kürzeste diesen Segenswunsch aus, dass alles im Gottesdienst in der heilsamen Gegenwart Gottes geschehe. Die Gottesdienstbesucher und -besucherinnen brauchen den „Herrn“, damit aus dem Publikum eine Gemeinde wird, und der Pfarrer oder die Pfarrerin braucht den „Herrn“ und die grüßende Fürbitte der Gemeinde, damit aus dem Auftritt ein ermutigender Dienst wird, durch den Gott seine Gemeinde baut und am Leben erhält. Aber darum ist es wichtig, dass die Gemeinde wirklich grüßt mit den Worten: „Und mit deinem Geist!“ und nicht das den Sinn des Grußes zerstörende „Und mit seinem Geist!“ spricht. Wenn vom „Geist“ des Liturgen geredet wird, dann meint dies nicht nur den Verstand oder den denkenden Geist, sondern die ganze Person auch und gerade in ihrer leiblichen Gegenwart. Der ganze Pfarrer, seine Haltung, seine Stimme, sein Sehen und Hören und alle Kräfte seines Gemütes sollen von der lebendigen und wirkenden Gegenwart Gottes durchdrungen und in Anspruch genommen werden.
Darum meine Bitte: grüßt mich wirklich, so wie auch ich euch dem lebendigen Gott und seinem Guten anbefehle, wenn ich euch grüßend zuspreche: „Der Herr sei mit euch!“
„Ausländisch“ singen
Im Gottesdienst singen wir immer wieder „ausländisch“. Der Frauenkreis hat vor einiger Zeit alle „ausländischen“ Worte zusammengetragen und sich ihre Bedeutung klar gemacht. „Amen“ stammt aus der hebräischen Sprache und heißt „Ja, so ist es. So soll es sein!“ In der Regel bekräftigt mit diesem Wort die Gemeinde das Gebet, das der Pfarrer gesprochen hat. Neuerdings trauen sich die Bammentaler auch, die Predigt ihres Pfarrers mit ihrem „Amen“ zu bestätigen. „Halleluja“ ist ebenfalls hebräisch und kann mit „Lobet Gott!“ übersetzt werden. In manchen Liedern und im Heilig-Gesang beim Abendmahl begegnet uns das Wort „ Herr Zebaoth“, das ebenfalls aus dem Hebräischen stammt. Ursprünglich meint es den „Herrn der Heere“ und dabei sind wohl Soldaten im Blick. Im übertragenen Sinn ist Gott gemeint, der von den „himmlischen Scharen“ umgeben ist und in deren Lobpreis wir in der Liturgie einstimmen. Aus der griechischen Sprache stammt der Ruf „Kyrie eleison“, den wir als Gemeinde oft im Wechsel mit Kantor oder Chor singen. Gemeint ist die Bitte: „Herr, erbarme dich!“ und in dieser Bitte schwingt zugleich Huldigung und Anbetung mit. In dem wir in der Liturgie diese hebräischen und griechischen Urlaute des Glaubens singen, bleiben die Ursprüngen unseres Glaubens lebendig, die im Volk Israel und in der frühen griechisch sprechenden Kirche liegen.
EG
EG ist nicht die Abkürzung für eine eingetragene Genossenschaft, sondern für das Evangelische Gesangbuch. Das „alte“ Gesangbuch wurde mit EKG abgekürzt und bedeutete Evangelisches Kirchengesangbuch. Die neue Bezeichnung deutet daraufhin, dass das EG nicht nur in der Kirche beim Gottesdienst gebraucht wird, sondern auch als persönliches Andachtsbuch Verwendung finden kann. Es lohnt sich, den dicken Anhang einmal in Ruhe durchzublättern. Neben einer Auswahl an Psalmen ( ab 700) , finden sich Hinweise zur Nottaufe ( 793), eine Anleitung zur Einzelbeichte ( 794) und eine reichhaltige Sammlung von Gebeten für die Tageszeiten, die Wochentage und für ganz unterschiedliche Anlässe und Lebenssituationen ( ab 805 ).Wenn uns die Worte fehlen, werden wir in diesen Gebeten fündig werden, so dass wir sehr persönlich von Freud und Leid, Kummer und Sorge sprechen können. Wer sich gründlicher mit dem auseinander setzen möchte, wie Menschen vor uns ihren Glauben „auf den Punkt“ gebracht haben, wird sich an die Bekenntnisse und Glaubenszeugnisse halten, die in einem Zeitraum von fast 2000 Jahren entstanden sind. (Im Reformationsgottesdienst wird über die erste Frage im Heidelberger Katechismus gepredigt, deren Antwort Sie unter der Nummer 884 nachlesen können.) Der Liturgische Kalender ( 891) informiert über die dem jeweiligen Sonntag zugehörenden Predigttexte und erklärt den Aufbau des Kirchenjahres.
Das EG ist seit 1995 in Gebrauch. Der sogenannte Stammteil umfasst die Lieder 1-535, die alle Landeskirchen in Deutschland gemeinsam haben. Wenn also in Hamburg das Lied Nr. 334 an der Liedtafel angeschlagen ist, dann wird die Gemeinde dort ( wie in Bammental) das Morgenlied „Danke für diesen guten Morgen“ anstimmen. Neben dem Stammteil enthält das EG noch einen Regionalteil, in dem Lieder zusammengestellt sind, die nur für eine Region gelten. Unsere Badische Kirche hat ihren Regionalteil zusammen mit der Pfälzischen Kirche und den Kirchen im Elsass erarbeitet. Auch in der „Aufmachung“ gibt es Unterschiede. Das EG in Württemberg ist „bunter“ gestaltet und spricht auch manche Badener an. Aber: der Regionalteil ist nicht identisch mit dem Badischen. Wer also im Badischen den Gottesdienst besucht, sollte unbedingt eine badische Ausgabe des EG mitnehmen, sonst kommt es ab den Nummern 540 zu einer babylonischen Sprachenverwirrung.
Termine der nächsten Zeit
- 2. März
19:30 Weltgebetstag der Frauen 2012 - 1. April
18:00 Passionsmusik
Losung für Mittwoch, den 22. Februar 2012
Du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Psalm 116,8
Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn.
Matthäus 14,29-31
© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine
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