Matthäus- Passion- Barockorchester „musica poetica“

5. März - 17:00 Uhr

 

Zur Aufführung der Erstfassung der Matthäus-Passion  von J. S. Bach durch die Ensembles „harmonia sonora Basel“  und „musica poetica Freiburg“

Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion gehört im Bereich der Musik zu Recht zum Weltkulturerbe (wenn es denn in diesem Bereich eine solche Zuordnung gäbe); zahlreiche Aufführungen alljährlich legen davon Zeugnis ab. Erstaunlich aber, dass all diesen Aufführungen stets die von Bach im Jahre 1736 überarbeitete Fassung zugrunde liegt, wohingegen die Erstfassung von 1727 in der Praxis nahezu unbekannt geblieben ist.  Nach Aufführungen der Erstfassung der Johannes-Passion, des WeihnachtsOratoriums, der h-moll Messe und verschiedener Kantaten Bachs sowie des Messias von G. Fr. Händel haben sich nun die beiden oben genannten Ensembles für die Jahre 2017/18 vorgenommen, diese Erstfassung der Matthäus-Passion im Konzertleben vorzustellen. Im Gegensatz zur Johannes-Passion, bei der Bach in den verschiedenen Fassungen ganze Sätze austauschte, hält sich dieses Verfahren bei der Matthäus-Passion in Grenzen: Lediglich der Schlusschoral des 1. Teils („Jesum lass ich nicht von mir“) wird in der späteren Fassung durch den umfangreichen Choralchorsatz „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ ersetzt. Dafür gibt es aber zahlreiche Änderungen im Detail: Die Gambenpartie der Spätfassung ist hier mit einer Laute besetzt; die Eröffnungsarie des 2. Teils ist dem Bass (später: Alt) zugewiesen. Und während Bach in der Spätfassung jedem Chor eine eigene Continuogruppe zuteilt, gibt es in der Erstfassung nur eine Continuogruppe, was extreme Anforderungen an diese stellt, da sie unentwegt beschäftigt ist. Darüber hinaus dürften dem Hörer der Frühfassung diverse Abweichungen in Melodik, Harmonik und Rhythmik zur Spätfassung auffallen. Besonders interessant ist die Instrumentierung der beiden Arien mit einer SoloVioline: Dieses Solo übernimmt die jeweils 1. Violine des einen Instrumentalchores, während der jeweils andere Instrumentalchor begleitet. Das spricht deutlich für eine solistische Besetzung der Streicherpartien, andernfalls hätte dieses Verfahren keinen Sinn. Auch dürften die Singstimmen solistisch besetzt gewesen sein; nach Ausweis der Stimmbücher der Spätfassung haben die Sänger tatsächlich Alles gesungen, also sowohl chorische wie solistische Partien. Für uns ist es heute kaum vorstellbar, dass Tenor und Bass des 1. Chores neben der Evangelisten- bzw. Jesuspartie auch noch die Arien, Choräle und Chöre bewältigen mussten. Und schließlich werden die Rezitative und Arien aus dem Vokalchor gesungen, dem Bach sie zugewiesen hat, während in den heutigen Aufführungen ja alle Arien von einer Solistin bzw. einem Solisten gesungen werden und dem Chor nur die Tuttisätze bleiben. Diese solistische Besetzung sowie die originale Aufteilung der Rezitative und Arien führen zu einem völlig neuen dramatischen Hörerlebnis: Ein vertrautes Werk im neuen Gewand.

Hans Bergmann

Losung für Mittwoch, den 15. August 2018

Der Name des HERRN ist ein starker Turm, der Gerechte eilt dorthin und findet Schutz.

Sprüche 18,10

Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.

Offenbarung 1,8

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