Fastenaktion 2020

So viel du brauchst – Sieben Wochen Zeit für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit“

Corona und Fasten?
Geht das, passt das zusammen?
So verschiedene Ausgangspunkte und doch ein Effekt, der im Ergebnis dem Fasten sehr, sehr nahe kommt:
Vorgeschriebenes Zu-Hause-bleiben, Kontakt-Einschränkungen , viel Zeit für ..?.. , Entschleunigung !
Jede geplante Fastenaktion wäre neidisch ob der derzeitigen Ergebnisse: positive Klimaeffekte durch die massive Reduzierung des Flugbetriebes weltweit, durch Besinnung auf nur noch notwendige Fahrten mit dem Auto, keine ausufernden Weltreisen mehr, kein Urlaub in den normalsten oder exotischsten Gebieten, leerer Nahverkehr in Bus und Bahn.
Besinnung auf das Notwendige, Besinnung auf das Miteinander, Besinnung auf die Basics … überall.
Im Supermarkt die Besinnung, dass man normal weiter einkaufen kann, dass immer noch deutlich mehr als das „reine Lebensnotwendige“ zur Verfügung steht.
Die Corona-Pause ist so gesehen ein verordnetes Fasten, zwar niemals so geplant, aber deutlich in den Ergebnissen weltweit.
Was nicht verloren gehen darf, ist das Miteinander, das Kümmern umeinander, schon das Wissen, dass da noch ein Nachbar ist ..;
Das Virus wird Opfer fordern, vielleicht ganz nah, vielleicht aber auch gar nicht persönlich betreffend.
Eine ungewisse Situation: werde ich krank ? wie schwer wird es mich treffen und wann?, war ich vielleicht schon krank ohne es zu bemerkt zu haben ?
Wer von meinen Nächsten und Nachbarn ist betroffen?
Corona schafft Bewusstsein, Corona fordert zum Umdenken, Corona bremst die Welt in einen „Fastenzustand“ ein.Nutzen wir diese Zeit, um uns neu
auszurichten. Dieses Jahr fasten wir automatisch.
Nutzen wir diese Erkenntnisse für die Zeit nach Corona.
Gott segne uns !
Dirk Nebelung, Kirchengemeinderat

6. Woche:
Fastenzeit = sieben Wochen ohne… Dieses Motto kenne ich noch aus früheren Jahren und genau einmal habe ich mitgemacht und sieben Wochen auf Süßigkeiten verzichtet. Da war ich ungefähr 16 Jahre alt und wollte wissen, ob ich das durchhalte. Heute in der Fastenzeit auf Kaffee, Bier oder Schokolade zu verzichten? Also auf die kleinen Belohnungen im meist durchgeplanten Alltag zu verzichten, der randvoll mit beruflichen Verpflichtungen, familiären Bedürfnissen, Haushalt und den ganzen weiteren Aktivitäten gefüllt ist? Der Gedanke verursacht eher Stress als Muße oder besinnliches Nachdenken vor Ostern.

Das diesjährige Motto der christlichen Fastenaktion dagegen klingt machbar und sinnvoll. „So viel du brauchst“ ist eine geeignete Leitlinie für den eigenen Konsum. Genau die richtige Menge Lebensmittel einzukaufen, nichts wegschmeißen müssen, im Vorratsraum und im Gefrierschrank auch mal die Dinge essen, die schon so lange dort sind. Das habe ich mir schon vor den Einschränkungen durch die Corona-Krise vorgenommen und scherzhaft behauptete, dass wir uns, wenn es hart auf hart kommt, zu fünft locker drei Wochen von Haferflocken, Fischdosen und Schokolade (Osterhasen vom vergangenen Jahr) ernähren könnten.

Und nun gibt es tatsächlichen einen ganz konkreten Anlass, über das eigene Einkaufsverhalten nachzudenken. „So viel du brauchst“ – das bedeutet eben nicht zu hamstern, sondern darauf zu vertrauen, dass, wenn jeder so viel wie eben nötig kauft, alle genug haben werden. Und wenn dann am Ende wirklich bewusster konsumiert wird, wirkt sich das auch positiv auf das Klima aus. Wann, wenn nicht jetzt, können wir erleben, dass das Verhalten jeder Einzelnen eine Auswirkung auf das große Ganze hat?

Wencke Rose-Zimmermann