Geschichte der Bammentaler Glocken

Die Geschichte der Glocken in Bammental hängt aufs engste mit der Geschichte der Kirche zusammen. Um das Jahre 1400 wurde auf dem alten Friedhof eine Kirche für die Gemeinde Bammental- Reilsheim erbaut, wohl anstelle einer Wallfahrtskirche aus dem 8. Jahrhundert. Von dieser mittelalterlichen Kirche steht heute noch der Turm auf dem Friedhof als ältestes Bammentaler Baudenkmal. Es ist anzunehmen, dass bald auch auf diesem Kirchturm eine Glocke hing, wohl die Glocke, die im Jahre 1749 zum ersten Mal Erwähnung findet.

Im Jahre 1747 war das Langhaus dieser alten Kirche wegen Baufälligkeit abgebrochen und ein neues Langhaus errichtet worden. Nun dachte man auch daran, ein größeres Geläut anzuschaffen. Zu der alten Cis-Glocke erwarb man eine A- Glocke. Dieses alte Cis war eine ganze Oktave höher als die heutige Cis-Glocke. Sie war wohl kaum schwerer als ein Zentner – nach unseren heutigen Begriffen also ein ganz kleines Glöcklein.

Aber die Bammentaler werden damals doch stolz auf ihr Glöcklein gewesen sein. Die neue A- Glocke, die im Jahr 1749 dazu kam, wog 185 Pfund und kostete 111 Gulden. Sie wurde von dem bekannten Glockengießer Johann Jakob Speck in Bruchsal gegossen. Wie damals üblich, gossen diese Werkstätten zugleich auch Kanonen. Speck soll das Gießen der Kanonen wohl noch besser als das Gießen von Glocken verstanden haben. Seine Glocken sind jedoch äußerlich sehr schön verziert und sauber gegossen gewesen, doch klanglich entsprachen sie nicht unseren heutigen Ansprüchen. Die Bammentaler Chronik berichtet über die Glockenbeschaffung: „Die Jungfrauen krönten dieselben und führten sie im Ort herum. Am heiligen Christabend wurde sie zum ersten Mal geläutet.“

Die früheste Notiz über Bammentaler Glocken stammt aus dem Jahre 1616. Damals wurde „das Glöcklein, so in dem Pfarrhaus

Bammenthal hangen und man damit der Gemeinde zur Predigt leuthen thut“ vom Kurfürstl. Pfälzischen Amtmann in Dilsberg der Gemeinde übereignet und die Gemeinde ermahnt, allzeit auf dieses Glöcklein acht zu haben. Im Jahre 1838 war es gesprungen und wurde „für die Gemeinde Bammenthal und Reilsheim umgegossen.“  Es trägt seit dem die Umschrift: „Durch Mitwirkung des Evang. Reformierten Kirchen-Fonds entstand ich; unter Herrn Friedr. Wilh. Lämmert ist diese Glocke umgegossen worden von Martin Bachert in Dallau im Jahre 1838″. 

Zuerst hing dies Glöcklein auf Turm, den das Pfarrhaus trug. Bei dem Umbau des Pfarrhauses um 1890 verschwand der Turm und das Glöcklein erhielt seinen Platz im Erkergiebel. Im Jahr 1980 wurde es der politischen Gemeinde als Glocke für den Friedhof übergeben, bleibt aber Eigentum der Kirchengemeinde. Die 55 kg schwere Glocke läutet seitdem bei Beerdigungen auf dem Waldfriedhof.

Über 100 Jahre läuteten die beiden Glocken Cis und A im alten Kirchturm über unserem Tal. Erst im Jahre 1864 wurde wieder der Wunsch nach einer Erweiterung des Geläutes in der Gemeinde wach. Man sammelte für die Anschaffung einer dritten, noch größeren Glocke. Es sollte eine Fis- Glocke werden. Auf diesen Ton ist auch heute unsere kleinste Glocke abgestimmt. Damals sollte es die größte Glocke werden. Während die heutige Fis-Glocke genau 16 Zentner wiegt, wog diese Fis-Glocke vom Jahre 1864 nur knapp 8 1/2 Zentner. Sie war also sehr viel dünnwandiger und darum längst nicht so klangvoll wie unsere heutige Fis-Glocke. Umso schwerer eine Glocke ist, umso tönender ist sie. Die Gestaltung der Glockenrippe ist dabei jedoch auch noch ein entscheidendes Kriterium! Diese Glocke kostete 799 Gulden, davon waren 515 Gulden durch freiwillige Spenden aufgebracht worden. Sie wurde von einem Glockengießer Hefft in Heidelberg gegossen – wie sich später herausstellte, leider aus schlechtem Metall.

Am 17. Oktober 1897 zersprang beim Zusammenläuten diese größte Glocke – der Henkel brach ab – und schlug einem der Läuteknaben den Fuß ab. Dieser Unglückliche war Herr Sandritter, der – im Rollstuhl unterwegs – noch lange das Bammentaler Leben mitgestaltete. Im gleichen Jahre 1897, im November, wurde die Kirche auf dem alten Friedhof wegen Baufälligkeit polizeilich geschlossen. Lange stritt man sich um den Bauplatz für die neue Kirche, bis man sich endlich im Jahre 1902 auf den Platz einigte, auf dem heute unsere Kirche steht.

Im selben Jahre wurde das Metall der zersprungenen  Glocke an die Glockengießerei Gebr. Bachert in Kochendorf verkauft, die 1903 drei neue Glocken für den Turm der neuen Kirche goss mit den Tönen Cis, E und Gis – eine Tonharmonie, die bis zum Jahre 1942 von unserem Kirchturm erklang. Sie waren noch viel leichter und dünnwandiger als die heutigen Glocken. Die große Glocke wog 29 1/2 Zentner oder 1480 Kilogramm, die mittlere 17 Zentner oder 850 Kilogramm, die kleinste 8 Zentner oder 410 Kilogramm.

Die große und die kleine Glocke von diesem Geläute sollten nicht lange unserer Gemeinde dienen dürfen. Im Jahre 1917 fielen sie dem ersten Weltkrieg zum Opfer; nur die mittlere beließ man der Gemeinde. Vier Jahre lang läutete diese E-Glocke allein auf unserem Turm, dann gesellte sich im September 1921 ihr eine Schwester zu. Die Bammentaler Kirchengemeinde hatte von der Kirchengemeinde Gaiberg für 19 000 Papiermark eine As-Glocke gekauft. Aber dieses Zweiergeläut konnte die Bammentaler auf die Dauer nicht befriedigen. Als die wirtschaftlichen Verhältnisse sich nach der Inflation wieder gebessert hatten, dachte man an ein neues Geläute mit drei Glocken.

Glockenweihe 1921

Glockenweihe am 4. September 1921

Am 18. Oktober 1926 bestellte man bei der Glockengießerei Franz Schilling Söhne in Apolda zwei neue Glocken – wieder eine Cis- und eine Gis- Glocke, wie man sie vor 1917 besessen hatte. Die Gaiberger Glocke wurde an die Gießerei zum Einschmelzen verkauft. Bereits zwei Monate später waren sie schon gegossen. Am 1.Weihnachtstag wurden sie geweiht. Die neuen Glocken wogen 37 1/2 Zentner oder 1885 Kilogramm und knapp 10 Zentner oder 492 Kilogramm. Sie waren also dickwandiger und tönender als die Glocken vom Jahre 1903. Das Sachverständigenurteil über diese Glocken fiel sehr gut aus. Es entstand ein Geläute, das den Ruhm genoss, dass es das schönste Geläut der ganzen Umgebung sei.

Im Jahr 1929 wurde durch die Firma Rheinelektra ein elektrisches Läutewerk für dieses Geläute eingebaut.

Nur 15 1/2 Jahre durfte sich die Gemeinde ihres schönen Geläutes erfreuen. Im März 1942, mitten im 2. Weltkrieg, holte man wieder die Glocken vom Turm herunter. Diesmal traf es die beiden größten, um sie wieder für Kriegszwecke einzuschmelzen.

1950 wurden neue Glocken beschafft, schöner und voller als je zuvor. Die größte wiegt jetzt 1879 Kilogramm, die mittlere 1066 Kilogramm und unsere jetzige kleinste Glocke wiegt 800 kg.

Einholung der Glocken 1950

Feierliche Einholung der Glocken am 3. Dezember 1950

Im Ganzen hängen jetzt 3745 Kilogramm Glockenbronze auf unserem Turm – gegenüber 3227 kg zu Anfang. Diese Glocken stammen wieder von der Glockengießerei Bachert in Kochendorf. Der Guss dieser Glocken war nach dem Urteil des Glockenprüfers „überaus gut gelungen“, sodass die Gemeinde sich bis heute mit ungetrübter Freude dieser Glocken erfreuen kann. Der Schlusssatz seines umfangreichen Gutachtens lautet: „Somit können die Glocken in jeder Hinsicht als gut getroffen und in ihrer musikalischen Wirkung als sehr gut bezeichnet werden.“ Am 3. Dezember 1950 wurden diese Glocken geweiht. Lange Zeit war die Beschaffung einer vierten Glocke überlegt worden. Im Glockenstuhl wäre dafür Platz – und der Turm würde sie auch tragen.

Aufbringen der Glocken

Aufbringen der Glocken durch die Zimmerleute Lang und Stetzelberger

Unsere Glocken seit 1950

fis’    die Taufglocke                         800 kg

Sie trägt die Inschrift:  „Ehre sei Gott in der Höhe!“  (Lukas 2, 14)

e’       die Betglocke                         1066 kg

Sie trägt die Inschrift:  „Christus ist unser Friede“  (Epheser 2, 14)

cis’    die Totenglocke                      1879 kg

Sie trägt die Inschrift:  „Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben“  (Johannes 11, 25)

Glockenturm Waldfriedhof

Glockenturm auf dem Waldfriedhof mit der Glocke aus dem Evangelischen Pfarrhaus

 

Glocke freigestellt 2

 

Im Juli 2007 wurde die 4. Glocke eingeweiht

Seit 1. Juli 2007 erklingt  über den Dächern Bammentals ein neuer Ton. Die Fachleute benennen ihn mit a’.  Wir freuen uns, dass die Anschaffung einer vierten Glocke durch eine großzügige Spende möglich geworden ist. Sie wurde in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe gegossen.

Als Taufglocke erklingt die neue Glocke, wenn ein Mensch getauft und so  in den Gnadenbund Gottes und in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen wird. Daran erinnert die Glockenzier. Das Schiff mit dem Kreuzes-Mast ist Sinnbild der Kirche Jesu Christi und der Fisch, der im Bauch des Schiffes zu erkennen ist, weist hin auf das urchristliche Bekenntnis: „Jesus Christus, Sohn Gottes, Retter“. Die Inschrift der Glocke betont, dass alle eingeladen und gerufen sind, im Glauben zu Christus zu kommen und bei ihm das Glück ihres Lebens zu finden: Christus spricht: „Kommt her zu mir alle!“ (Matthäus 11,28).

Die Taufglocke soll nicht nur bei der Taufe eines Menschen läuten, sondern, wenn die Eltern es wünschen, auch nach der Geburt ihres Kindes. Wie die Totenglocke vom Tod eines Gemeindegliedes kündet, so soll die Taufglocke auch Freude wecken über jedes Kind, das geboren wird und über dem vom ersten Atemzug an Jesu Einladung wie eine Verheißung steht: Kommt her zu mir alle!

 

 

 

 

Losung für Donnerstag, den 19. Oktober 2017

HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.

Psalm 92,6

Lebt verwurzelt und gegründet in Jesus Christus und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit.

Kolosser 2,7

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