Offene Kirche

Im Moment können wir unsere Kirche noch täglich öffnen, auch am Samstag und Sonntag.

Der Bereich um den hinteren Seitenaltar lädt ein zum Verweilen, zum Nachdenken, zum Beten. Wer mag, kann ein Licht anzünden. Ein Gästebuch liegt bereit, in das die Besuchenden ein Gebet eintragen können.

Außderdem liegen Karten mit Mediationen und Gebete aus, die Sie sich gerne mitnehmen können.

Bitte beachten Sie die zur Zeit herrschenden Vorsichtsmaßnahmen.

Andacht zu Laetare, erster Sonntag ohne öffentlichen Gottesdienst, 22. März 2020

Liebe Gemeinde, herzliche Grüße von Ihrer Kirche mit einem wegweisenden Wort des Paulus zum ersten Sonntag ohne Gottesdienst seit Menschengedenken.
Seien Sie auf der Hut und bleiben sie behütet.
Ihr Pfarrer Martin Schäfer


Text: 2.Kor 1, 3-5 + 8-11a
3Von Leiden und Trost des Apostels:
Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes.
4 Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden.
5 Wie uns nämlich die Leiden Christi überreich zuteil geworden sind, so wird uns durch Christus auch überreicher Trost zuteil.
8 Wir wollen euch die Not nicht verschweigen, Brüder und Schwestern, die in der Provinz Asien über uns kam und uns über alles Maß bedrückte; unsere Kraft war erschöpft, so sehr, dass wir am Leben verzweifelten.
9 Aber wir haben unser Todesurteil hingenommen, weil wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzen wollten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.
10 Er hat uns aus dieser großen Todesnot errettet und rettet uns noch; auf ihm ruht unsere Hoffnung, dass er uns auch in Zukunft retten wird.
11 Helft aber auch ihr, indem ihr für uns betet.

Paulus wagt es, Widerspruch gegen das Prinzip dieser Welt einzulegen. Die war schon damals im Römischen Reich global. Waren und Soldaten wurden in kurzer Zeit im ganzen Mittelmeerraum hin und her bewegt. Es gab dieselbe Währung und dieselbe Amtssprache von England bis nach Persien. Wer nicht mitmachte, der hatte nichts zu lachen. Paulus wusste Bescheid, denn er hatte das römische Bürgerrecht von seinem Vater geerbt. Trotzdem erhebt er nicht nur Widerspruch, sondern lebte auch diesen Widerspruch.

Paulus warf sein Leben dafür in die Waagschale: Es gibt noch ein anderes Lebensprinzip als das römische, es gibt noch eine anderes Leben, als das „Friss oder Stirb.“
Für Paulus ist es Jesus Christus, die Liebe Gottes in Person !
Der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Paulus verkündete und lebte konsequent diesen anderen Weg, die Alternative, die Jesus gezeigt hat.
Und diese Alternative heißt eben nicht Hauen und Stechen, Drunter und Drüber, Fressen und Gefressen werden, sondern, es geht auch anders:
Trösten und Getröstet werden.
Verstehen und Verstanden werden.
Leiden und Getragen werden.

„Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet werden“, meint jedenfalls Paulus.
Es ist kein leichter Ausweg. Kein Fluchtweg, keine Abkürzung, um schnell und mühelos zum Ziel zu kommen.

Trost ist im Leid.
Hoffnung ist in der Krise.
Vertrauen ist im Zweifel.
Das klingt paradox, ist aber die Wahrheit.
Denn nur die Hoffnung die sich aus Zweifel, Leid und Krisen nährt, hat Bestand.

Paulus erzählt uns nichts von stetigem Wachstum, immerwährendem Fortschritt, und immer größeren Freiheiten.
Paulus erzählt uns von Leid, Krisen und Zweifeln.
Niemand will das, keiner hört das gern.
Dabei geht es ja nicht wie bei Paulus um Schläge, Folter, Gefängnis und gewaltsamen Tod. In Rom hat man ihn schließlich hingerichtet.
Uns geht es zu gut, sagten viele hinter vorgehaltener Hand. Wir jammern auf hohem Niveau. Und das ist eine schlechte Ausgangsbasis für die Zukunft.

Gerade sind wir dabei, wieder zu lernen, mit Einschränkungen zu leben.
Mit dem Evangelium sind wir für die Zukunft gut gewappnet.
Der springende Punkt ist, dass Christus „uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind.“

Das heißt doch, wir geben von unserem Trost weiter, wenn es uns wieder besser geht, weil wir ihn von Christus erhalten haben.
Tun wir das nicht, so ist Christi Lehre, Leiden, Tod und Auferstehung vergeblich gewesen.
Fatal ist es, wenn wir uns in guten Zeiten einbilden, unser Trost wäre unser Verdienst. Wir hätten alles selbst erschaffen.
70 gute Jahre in Kirche und Gesellschaft haben uns in der Bundesrepublik getröstet über die Trübsal und den Schrecken des Krieges, der Nazidiktatur und des Holocaust. 30 Jahre wiedervereinigtes Deutschland.
Es ist schon seltsam, liebe Gemeinde, kommt man mit älteren Menschen ins Gespräch und gewinnt das Gespräch an Tiefe, so ist bald von den schweren Zeiten die Rede.Vom Krieg erzählen die Alten und von den kargen Anfangsjahren. Wie man sich anstrengen musste und mit wenig zufrieden sein. Dass sie hier gar nicht willkommen waren, erzählen die ehemaligen Flüchtlinge. Auch Krankheiten und Zerwürfnisse kommen zur Sprache. Natürlich wird auch von tollen Festen und schönen Urlauben gesprochen.Aber prägender, bleibender, auch ermutigender sind die überstandenen Schwierigkeiten, Schmerzen und Krisen.

Paulus verkündet uns das Evangelium, wenn er uns sagt: 
Aus dem Leiden wächst der Trost.
Aus der Krise wächst die Hoffnung.
Aus dem Zweifel wächst Vertrauen.
Nicht durch uns, sondern durch Christus. 
Amen